Durch Import von ökologischen Produkten Hunger verhindern

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Von Linda Polley

Durch die Vermarktung von Hybrid- und gentechnisch verändertem Saatgut begeben sich viele Bauern in eine massive Abhängigkeit von Saatgut- und Agrochemiekonzernen und verlieren häufig ihre Existenz.

Hybridsaatgut ist aus zwei verschiedenen Pflanzenarten gekreuztes Saatgut, das verspricht ertragreicher zu sein als die unveränderten Natursamen. Auf einige Pflanzenarten trifft dies sicherlich auch zu, doch lange nicht auf alle. Außerdem weisen die Hybride in der zweiten Generation eine geringere Vitalität auf und können sich daher oft nicht fortpflanzen. Deshalb können Bauern die Samen im folgenden Jahr nicht erneut aussäen, sondern müssen neue kaufen.
Ähnlich wirkt das Terminator-Gen, das in viele gentechnisch veränderte Pflanzen eingebaut ist und die Keimfähigkeit der Pflanzen vernichtet, sodass sie nach der ersten Generation abgetötet werden. Dies ist allein zum Nutzen von Unternehmen, wie z.B. Monsanto, Bollgard oder Syngenta, die das Saatgut vermarkten. Es macht die Pflanzen keineswegs ertragreicher oder schädlingsresistenter.
Leider werden die Pollen der gentechnisch veränderten Pflanzen auch auf viele artverwandte Pflanzen verbreitet, die dann das Potential besitzen, sich mit dieser Pflanze zu kreuzen.
Ihr Saatgut ist in der Regel viermal so teuer wie biologisches Saatgut, weist aber, laut den Unternehmen, die es herstellen, positive Nebeneffekte wie pflanzeneigene Giftstoffe zur Schädlingsbekämpfung auf.

Zu einem echten Problem wird die Gentechnik in Entwicklungsländern wie z.B. in Indien, in denen viele Bauern sich schon verschulden, um überhaupt erstmal für das teure Saatgut aufkommen zu können. Die Ernte aber fällt trotz der teuren Samen häufig nicht so ertragreich aus, wie erwünscht, stattdessen werden die Pflanzen umso mehr von Schädlingen und Krankheiten befallen, die wiederum mit teuren Pestiziden ebengleicher Unternehmen zu bekämpfen sind. Der Gewinn der Bauern bleibt spärlich, während ihre Schulden ins für sie Unermessliche steigen.
Von den Unternehmen ist dies durchaus so gewollt. Wie Dr. Vandana Shiva, indische Umweltschützerin und Nobelpreisträgerin, es auf den Punkt bringt, wird der Misserfolg der Bauern zum Markterfolg der Konzerne.

Während die Gesellschaft in den Entwicklungsländern durch die Pleiten der Kleinbauern weiter verarmt, steigen die Lebensmittelpreise rapide an. Dies ist damit zu erklären, dass die Landwirte mit mehr Besitz, die sich Hybridsaatgut leisten können, ihre Produkte meist ausschließlich für den Export in Industrieländer anbauen, weil sie durch diesen mehr verdienen.
Dazu sind die meisten größeren landwirtschaftlichen Betriebe in der Hand internationaler Unternehmen. Obwohl diese behaupten, den einheimischen Lieferanten ein sicheres Einkommen zu bieten, müssen die Landarbeiter häufig zusätzliche Jobs verrichten, um ihre Familien ernähren zu können. Laut einer Studie von Oxfam werden vielerorts auch die Gewerkschaftsrechte missachtet.
Metro z.B. verstoße gegen den eigenen Verhaltenskodex, indem es Gewerkschaftsmitglieder benachteilige, ihnen weder Gehaltserhöhungen, noch Beförderungen zugestehe. Angestellte, die beabsichtigen, in eine Gewerkschaft einzutreten, werden bedroht und bestochen, außerdem wird von unfreiwilligen nicht bezahlten Überstunden berichtet. Die Löhne der Landarbeiter liegen in Indien mit nur 85 Cents für täglich zehn bis zwölf Stunden Arbeit unter der absoluten Armutsgrenze, Frauen verdienen oft sogar nur die Hälfte.
Da die Exporterlöse der Entwicklungsländer aufgrund der schwankenden Weltmarktpreise und Produktionsverluste schlecht berechenbar sind, lassen sich die Staatshaushalte der betroffenen Länder schlecht planen. Durch den zusätzlich hohen Konkurrenzdruck, müssen die Entwicklungsländer die Produktion weiter steigern, was sinkende Rohstoffpreise zur Folge hat. Daher fallen auch die Exporteinnahmen, weswegen immer weniger Nahrungsmittel importiert werden können, die aber benötigt werden, da viele Entwicklungsländer einen Großteil ihrer eigenen Produkte exportieren, bzw. von vornherein auf den Import von Nahrung angewiesen sind. In Bangladesch beispielsweise hungert aus diesem Grund ein Viertel der über 150 Millionen Einwohner.

Weitere Ausweitungen dieser Entwicklungen müssen dringend verhindert werden. Daher fordern wir ein Importverbot von Hybriden und gentechnisch veränderten Produkten aus Entwicklungsländern. Ferner sollten den agierenden Unternehmen durch konsequente internationale Qualitätskontrollen die Hände gebunden werden.


Quellen:

„Leben außer Kontrolle“
Oxfam Deutschland
www.taz.de
www.freie-saat.de
www.zeitenschrift.com
www.3sat.de

 


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