Positionspapier Juli: Bad Nenndorf 2010 - Die Chance zur Linkswende

Jusos Nordwest1 Gr _ _er
 

Von Regina Karsch


Wenn am 14. August 2010 in Bad Nenndorf zum fünften Mal der sogenannte Trauermarsch rechter Kräfte stattfindet, werden wir DemokratInnen erneut Zeuge des modernisierten nationalen Widerstands.

Rechte Geschichtsrevisionisten werden in den Straßen von Bad Nenndorf durch Flyer, Transparente, etc. ihre Version der Ereignisse im Wincklerbad kundtun.

Was sich dieses Jahr allerdings in der Organisation der rechten Kräfte abzeichnet, ist ein Novum der bisherigen Trauermärsche rund um das Wincklerbad. Neofaschisten betreiben gezielt und offenkundig Werbung für ihre Sache in Bad Nenndorf als auch in den umliegenden Ortschaften. Dieses Jahr wurde eine Werbeoffensive angesetzt, welche Ihresgleichen sucht! Flyer, Transparente, Werbeshirts, etc. werden auf den Markt geworfen und auf der dazugehörigen Homepage angepriesen. Die diesjährige Reklame, welche im Ausland für das Event betrieben wird, ist gewaltig. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass gewaltbereite Neofaschisten aus dem Ausland in einer Größenmenge von 200 Personen anreisen werden – zum Vergleich: die Teilnehmerzahl auf rechter Seite wird sich auf 1100 Personen belaufen.

Egal ob Dresden, Bielefeld, Berlin oder Magdeburg (u.a.); die Organisatoren machten bundesweit aufmerksam auf den bevorstehenden Trauermarsch rund um den 14. August. Die Dimension, welche der derzeitige Rechtsextremismus angenommen hat (die Organisation betreffend Bad Nenndorf ist hier ein gutes Beispiel), lässt viele – endlich – erschrecken.

Es kann längst nicht mehr „nur“ darum gehen, gegen rechts zu protestieren!
Es geht um mehr!

Es geht endlich darum, sich den gegeben Veränderungen der rechten Subkultur anzunehmen und diese dementsprechend zu bekämpfen! Das oft gepredigte „der Rechtsextremist sieht nicht mehr so aus wie früher und verhält sich auch nicht mehr so“ muss endlich ernst genommen werden – von allen Beteiligten.
 

Man muss mit noch wacheren Augen durch die Straßen gehen, sich Flyer und Aufkleber genauer anschauen. Nur weil ein Sticker bunt anstatt schwarz-weiß-rot ist, kann er genauso gut von rechten Kräften produziert worden sein. Ein Lonsdale Shirt zeichnet schon längst keinen Rechtsextremisten mehr aus! Kleine Accessoires runden Neofaschisten ab (z.B. Tattoos, Symbole als Anstecker, etc.).
 

Sozialer Nationalismus ist immer noch rechts einzuordnen und keine Forderung, wie sie von linken Parteien zu hören wäre!
 

Auf Feinheiten kommt es seit Jahren schon an, aber das muss nun auch endlich aufgegriffen werden.
 

Vorträge dürfen sich nicht immer um dasselbe drehen – neue Aktionsformen müssen konkret analysiert werden!
 

Rock gegen Rechts – bislang immer wirksames Protestmittel - muss einen Relaunch erfahren, um nicht schlussendlich in Gewohnheit oder Langeweile zu erstarren. Es muss aufgepasst werden, was für Transparente in der Öffentlichkeit präsentiert werden – siehe beispielsweise den 7. Juli 2010 -> Autonome Nationalisten stehen vor der Kröpcke-Uhr in Hannover und vor dem Niedersächsischen Landtag, um ein Werbetransparent für den Trauermarsch in Bad Nenndorf hoch zu halten! Blockaden können ein großartiges Mittel des demokratischen Widerstandes sein (je nach Sachstand)! Allerdings müssen diese so erfolgen, dass sie nicht ins Lächerliche verfallen.
 

Die Jusos als einer der Jugendverbände mit einer langen antifaschistischen Tradition haben stets mehr als gute Arbeit geleistet. Oft haben wir Grundsteine für die Bekämpfung von Rechtsextremismus in vielen Regionen gelegt. Es gab keine Demonstration in den letzten Jahrzehnten ohne Juso Fahnen! Unser Engagement gegen Neofaschismus ist bekannt und viel geschätzt – das auch über Parteigrenzen hinweg!
 

Dies wollen wir auch weiterhin federführend tun, aber sollte sich in der bisherigen Betrachtungs- als auch Bekämpfungsweise nichts grundlegend ändern, so ist uns das rechte Lager bald einen Schritt voraus… die rechte Seite hat vor Jahren bereits angefangen sich zu modernisieren – wir dürfen uns von Ihnen nicht rechts überholen lassen!
 

Rotfront!

Diese Forderung einer grundlegenden Erneuerung der Antifa-Arbeit wurde verfasst von Regina Karsch, stellv. Juso-Landesvorsitzende und Politlogin

 


Kommentar schreiben

Netiquette
 

Selbstverständlich beachten wir die Vorschriften des Datenschutzes.
Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Senden
 

Netiquette

Schließen
 

Unsere Internetseite soll eine Plattform für ernsthafte Diskussionen sein, bei dem Toleranz, Offenheit und Fairness zu den Grundprinzipien gehören. Wir begrüßen sachliche und konstruktive Inhalte, die zu einer angeregten Diskussion beitragen und der Meinung anderer Kommentatoren tolerant und unvoreingenommen begegnen. Wird gegen diese Grundprinzipien verstoßen, kann dies zur Löschung von Kommentaren führen.

Um bei uns zu kommentieren muss die eigene E-Mail-Adresse angegeben werden. Selbstverständlich wird diese E-Mail-Adresse nicht veröffentlicht und auch nicht an Dritte weitergegeben. Die Angabe einer falschen E-Mail-Adresse ist ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen. Wir machen daher Stichproben, die dann zur Löschung von Kommentaren führen können. Mit Absenden des Formulars werden unsere Nutzungsbedingungen anerkannt.